D/A/F 2009, Regie: Michael Glawogger, Drehbuch: Michael Glawogger nach dem gleichnamigen Roman von Josef Haslinger, Darsteller: Helmut Köpping, Sabine Timoteo, Ulrich Tukur, Christian Tramitz, Otto Tausig, Franziska Weisz, Michou Friesz, 117 Min., ab 16
Ein Anruf, und am anderen Ende eine Stimme aus lange vergangenen Tagen: Mimi. Sie will, dass ihr Jungendfreund Ratz nach New York kommt - sie braucht seine Hilfe. Für Mimi war Ratz immer bereit gewesen, vieles zu tun, und in Wien macht ihm sowieso einiges zu schaffen: Der übermächtige Vater, die verquere Liebe zu seiner Schwester und sein autistisches Dasein vor dem Computer - es ist gar nicht so schlecht, einmal weg zu kommen. Doch auch New York stellt Fragen von der dunklen Seite: Wer ist der alte Mann im Keller? Mit welchen virtuellen Morden darf man sein Geld machen und wie echt sind Mimis Gefühle?
Litauen 1941, Ludwigsburg 1959, Wien Mitte der Neunziger Jahre, New York 1999: Orte und Zeiten, die durch ein Netz von Schicksalslinien miteinander verbunden sind.
Das Vaterspiel erzählt drei Familiengeschichten, die über Raum und Zeit hinweg schicksalhaft verbunden sind: Eine jüdische Familie, die bei den Massakern der Nazis in Litauen fast vollständig vernichtet wird. Die Familie der nationalsozialistischen Täter, die sich nach Amerika retten konnten und dort einen grotesken Zusammenhalt bewahrt. Eine vom Auseinanderbrechen bedrohte Familie, die im heutigen Wien die Nachwehen der Vergangenheit zu spüren bekommt.
Der 1999 erschienene Roman von Josef Haslinger rührt an einer Fülle komplexer Fragen über die Abgründe vertrackter Familienbeziehungen, über die Verarbeitung des Nationalsozialismus, über Gewalt in Computerspielen.
Mit seiner besonderen Sensibilität für multiple Erzähllinien hat Michael Glawogger das Buch 10 Jahre nach seiner Entstehung feinfühlig und vielstimmig verfilmt. Statt eindeutige Verurteilungen zu propagieren, stellt er sich den Widersprüchen der Condition Humaine, den Abgründen von Moral und Gesetz, von Schuld und Sühne, von Gefühl und Gewissen, von Nähe und Fremdheit. Ein Film, der den Nationalsozialismus thematisiert, ohne eine einzige Hakenkreuzfahne zu zeigen. Ein Film, der bei allem Ernst einen spezifisch österreichischen Humor bewahrt.








