Vorstellungen (27.9. - 3.10.) täglich um:
17.00 Uhr
23.00 Uhr
Sonntag auch um 13.00 Uhr
OT: Ten canoes, Australien 2006 , Regie: Rolf de Heer , Darsteller: Crusoe Kurdall, Jamie Gulpilil, Richard Birrinbirrin, Peter Minygululu, Frances Djulibing, Philip Gudthaykudthay, David Gulpilil (Erzähler), 90 Minuten
Man tut sich am Anfang etwas schwer mit den ungewohnt klingenden Namen der beteiligten Figuren. Macht aber nichts, denn die erzählte Geschichte selbst ist dafür umso simpler. Zunächst begleitet „Ten Canoes“ (Originaltitel) eine Gruppe von Männern auf der Jagd. Dazu müssen aber vorher noch aus der Rinde von Bäumen schwimmfähige Kanus gebaut werden. Ein älterer Mann erzählt einem jüngeren währenddem die Geschichte eines tragischen Zwischenfalls. Dem jungen Jäger wird sie ein Lehrstück für seinen weiteren Lebensweg sein. Dem Kinobesucher ist sie Erkenntnis über das Leben und die Natur der Aborigines.
Berichtet wird, dass ein Jäger drei Frauen unterschiedlichen Charakters besitzt, sein im Single-Camp lebender Bruder aber auf die jüngste ein Auge geworfen hat. Als am sogenannten Haarschneidetag ein Fremder ins Hüttendorf kommt und kurz darauf die stets eifersüchtige mittlere Frau des Jägers verschwindet, tippen manche im Dorf auf Entführung. Monate später glaubt man, den Fremden wieder im Gebüsch entdeckt zu haben. Ein Speer flirrt lautlos ins Ziel – getroffen aber hat er einen Unschuldigen. Die Leiche wird versteckt, doch nicht gut genug. Als Stammesbrüder des Toten die Tat entdecken, kommt es im Zuge einer „Payback-Ceremony“ zur Vergeltung. Die beiden Brüder müssen sich dabei der möglicherweise tödlichen Verantwortung stellen.
Die Erzählweise aboriginärer Traumzeitmythen macht sich der hollandstämmige Rolf de Heer auch filmisch zunutze. Während „Ten Canoes“ in Schwarzweißbildern beginnt, ist das, was der Erzähler – gesprochen von dem seit Nicholas Roegs „Walkabout“ (1969) wohl bekanntesten Aborigine-Darsteller David Gulpilil (u.a. auch in Philip Noyces „Rabbit-proof fence“ oder Wim Wenders „Bis ans Ende der Welt“) - nun als eigentliche Geschichte mitteilt, in Farbe zu bestaunen. Fast schon bilderbuchartig werden zunächst die Figuren mit einer kurzen Porträtansicht eingeführt, Humor kommt in der Folge der Erzählung nicht zu kurz – gelacht wird bei den Aborigines offenbar gerne und ausgiebig.
Dass einem die kulturellen Hintergründe zunächst fremd oder unbekannt sind, stört indes nicht. Im Gegenteil: die in „Ten Canoes“ (angesiedelt im Gebiet Arnhem Land im Northern Territory, rund 600 Kilometer westlich von Darwin) erzählte Geschichte behandelt mit dem Thema Eifersucht und Vergeltung ja doch wieder nur Konflikte, wie sie auch in zivilisierten Kulturen an der Tagesordnung sind. Hier kommen sie einem noch vor wie im Märchen.
Thomas Volkmann (programmkino.de)
Homepage: http://www.tencanoes.com.au/tencanoes/





